

Herr Bars an der Stele ( von Thomas Radeloff ) auf dem Klinikgelände West
Kranzniederlegung am 8. Mai 2005 im Klinikum WestSehr geehrte Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt Stralsund,
Sehr geehrter Herr Prof. Freyberger, liebe Mitglieder Gäste und Freunde,
der Behindertenverband Stralsund e.V. und das Aktionsbündnis (Aktion 5. Mai) will im 60. Jahr nach der Niederschlagung des Faschismus nicht schweigend zu sehen, wie sich der Nazismus in unseren Kommunen und unserem Bundesland wieder ausbreitet. Dabei werden wir nicht vergessen, Rechtsextremismus und Behindertenfeindlichkeit sind schon einmal eine unheilvolle Allianz eingegangen.Wir haben eine besondere Verantwortung, denn in Alt Rehse in unserer unmittelbaren Nähe, im beschaulichen Mecklenburg, befand sich von 1935 bis 1945 die reichsweit einzige Einrichtung für die Indoktrination der deutschen Ärztinnen und Ärzte, Hebammen, Apothekerinnen und Apotheker und den Amtsärztinnen und Amtsärzten eingerichtet wurde. Hier wurden die Helfershelfer für die rassenhygienischen Zielstellungen der Nazis geschult und ausgebildet. Aussonderung und den Mord an 100 000 Patientinnen und Patienten im gesamten Machtbereich der Nazis gelegt. Nach Schulung des medizinischen Personals wurden Krankenanstalten im ehemaligen Mecklenburg und Pommern zu Tötungsanstalten umgebaut und tausende Menschen zu Tode “behandelt”. Im Zuge der Kindereuthanasie verloren bis zu 8.000 Kinder ihr Leben. Bis zu 70.000 psychisch Kranke wurde in der ersten Tötungswelle bis zum 1. September 1941 umgebracht. Die Nürnberger Prozesse gingen davon aus, dass 275.000 Menschen der Euthanasie zum Opfer fielen.Im Krankenhaus West, derzeit weit vor den Toren Stralsunds, sind in der Zeit des grausamen 2. Weltkrieges 1286 Menschen zu Tode gekommen.Wir haben weiterhin gemeinsam die Aufgabe darüber zu wachen, dass was geschehen ist, sich nicht wiederholt.Das Geschehene ist auch nach 60 Jahren nicht rückgängig zu machen.Die Kranzniederlegung ist zum Gedenken an die Opfer und zur Mahnung an die Lebenden
Ingo Bars
Vorsitzender Behindertenverband Stralsund e.V.
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erinnert sei:
Die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ – wie es offiziell hieß – begann mit einem Geheimerlass Adolf Hitlers im Oktober 1939. Leiter der Gauämter für Volksgesundheit, der Heil- und Pflegeanstalten sowie Ärzte/Innen und Pflegepersonal wurden angewiesen, die Euthanasie umzusetzen. Die Zentrale des Euthanasie-Programms befand sich in der Tiergartenstraße 4 in Berlin. Daher auch der Name T4.
Die Brutalität des NS Regimes in der Ermordung psychisch kranker Menschen kommt am Beispiel der Provinzial - Heil- und Pflegeanstalt Stralsund deutlich zum Ausdruck. Die ersten Opfer der deutschen Krankenmorde im November 1939 wurden die Patienten der Stralsunder Anstalt.
Auf Eigeninitiative und ohne Weisung von „oben“, befahl der damalige Gauleiter Franz Schwede, die Provinzial - Heil- und Pflegeanstalt Stralsund für die weitere Nutzung als SS-Kaserne zu räumen und die 1.500 Patienten in Richtung Osten abzutransportieren.
Sie wurden fast alle in den Wäldern von Piasnitz (bei Danzig) durch ein SS-Kommando erschossen.