Aktuelles aus der Verbandsarbeit

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Bild: ABiMV Im Audimax der UNI- Rostock die Professoren Herr Dr. Wocken (li) und Herr Dr. Flaig im Streitgespräch  
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1. Inklusionskongress in MV an der UNI – Rostock
Ein am 4. Mai verkündete Schulfrieden – in MV zwischen den Demokratischen Parteien des Landtages, ist wohl eher ein Burgfrieden, welcher in den Schulen des Landes zwischen Schulbehörden, Lehrern, Eltern und Schüler/innen noch lange nicht in Sicht ist!
    
„Seit der UN-(Behindertenrechts-)Konvention geistert das Wort „Inklusion“ auch durch unser Bundesland. Was den einen willkommen ist als neuer Geist für die pädagogische Arbeit, erfüllt die anderen mit Sorge für die Professionalität des eigenen Handelns. Wir wollen mit Ihnen gemeinsam diskutieren, wie aus einem „Gespenst“ neuer Geist erwachsen kann “, so Minister Mathias Brodkorb in seiner Einladung zum 1. Inklusionskonkress des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern.

Zwei Geister, Herr Prof. Dr. Hans Wocken und Herr Prof. Egon Flaig, waren eingeladen die Debatte zu befeuern. Dies ist Ihnen dann auch tatsächlich gelungen. Die „Gespenster“ heraufzubeschwören, war für den Kulturhistoriker Prof. Flaig, überhaupt kein Problem, denn die Jahrhunderte lange Stigmatisierung „Behinderter“ steckt noch in vielen Köpfen.
„Behinderte können nicht mündige Bürger sein, sie müssen ihr Schicksal tragen und sind am Besten in Sonderschulen, Heime, Anstalten aufgehoben, geistig Behinderte können nicht gleichberechtigt am Leben der Gesellschaft Teilhaben,  sie leiden unter der Inklusion, Hochkulturen müssen selektieren und Eliten bilden“ usw..
Das rief natürlich den kampferprobten Sonderpädagogen Prof. Wocken auf den Plan, da verstand er keinen Spaß: „Er sehe ein neues Menschenbild in der UN- Menschenrechtskonvention, in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, für die Gesellschaften gegründet. Besonders der Artikel 1:
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.
Dies bestimme sein Denken und Handeln. Die Nichtanerkennung und Achtung der Menschenrechte für Menschen mit sogenannten Behinderungen ist ein Akt der Barbarei. Nicht Separation sondern Inklusion stehe auf der Tagesordnung, denn jeder Mensch ist einzigartig, gleichwertig und zugehörig! Bildung und gleichberechtigte Teilhabe werde für Kinder aus sozial benachteiligten Schichten und/oder Migrationshintergrund und/oder „Behinderungen“ in Deutschland nicht gesichert. Dies wurde im Munoz-Bericht, in PISA-Vergleichsstudien und in OECD-Bewertungen immer wieder festgestellt.
Gemessen an der Länge des Beifalls scheinen die „Gespenster“ der Vergangenheit noch in den Köpfen zu dominieren, der Weg in eine Inklusive Gesellschaft, in eine Inklusive Schule ist noch sehr lang und steinig.
Die Bildungsdebatte erhält gegenwärtig durch die UN-Behindertenrechtskonvention neue Impulse. Trotzdem sollte man die Lautstärke der Diskussion nicht mit deren Wirksamkeit verwechseln, denn im Reformstau der Deutschen Bildungslandschaft wird Inklusive Bildung überwiegend in Nischen und Pilotprojekten entwickelt, denn ein Systemwechsel  wird nach wie vor von der Kultusministerkonferenz (KMK) fast einhellig abgelehnt.  
Obwohl dieser Kongress  zufällig auf den 5. Mai, den Europäischen Aktionstag der Menschen mit Behinderungen, fiel, standen die Forderungen der Behindertenorganisationen „Für eine Inklusive Schule“ heute noch nicht im Focus, sollte für die Bewusstseinsbildung der über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber nicht ganz bedeutungslos sein.  
Bericht und Bilder: P. Braun, am 5. Mai 2012

Wir danken Herrn Prof. Wocken, dass wir an dieser Stelle seine Replik auf den veröffentlichen Beitrag von Prof. Flaig veröffentlichen dürfen:.

• Datei: Flaig-Replik.pdf

Bild: ABiMV/ED Bildungsdebatte im Rathausfoye der Hansestadt Rostock
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Disskussionsforum - Bildung INKLUSIVE am 4. Mai in Rostock
Zu einem öffentlichen Diskussionsforum zum Thema Bildung INKLUSIVE anlässlich des Europäischen Aktionstages behinderter Menschen erhielt ich von der SELBSTHILFE MV e. V. eine Einladung nach Rostock. Dort kann ich gut mit dem Zug hinfahren, waren meine Gedanken und ich meldete mich sehr rechtzeitig bei der Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn unter der Telefonnummer 01805 512 512 für Bahnfahrten von Schwerin nach Rostock und zurück an. Nun bestand gerade Schienenersatzverkehr, daher wurde mir erklärt, dass per Mail eine Mitteilung erfolgen wird. Am 17.04.2012 traf die Bestätigung ein, dass für den 04.05.2012 ein Schienenersatzverkehr für mich organisiert wurde, 8.10 Uhr Abfahrt vom Hauptbahnhof Schwerin. Als mein Mann und ich 20 Minuten vor der Zeit beim Infostand am Hauptbahnhof eintrafen, wusste die Mitarbeiterin sofort Bescheid, war sehr höflich und wir warteten auf ein Großraumtaxi. 8.10 Uhr – ein Bus als Schienenersatzverkehr nach Rostock fuhr ab, vom Taxi war noch nichts zu sehen. Die Mitarbeiterin der Bahn telefonierte. Es stellte sich heraus, dass ein Taxi in Rostock auf uns wartete. Von der Firma Gollombeck in Schwerin setzte sich nun ein Taxi in Bewegung und würde in einer halben Stunde am Bahnhof sein. Von der Deutschen Bahn wurden uns Gutscheine für Kaffee oder etwas zu essen angeboten, als Entschädigung für die Wartezeiten. Wir hatten Frühstück vor nicht allzu langer Zeit gegessen und lehnten daher ab, dankten jedoch für das Angebot. Während der Wartezeit sah ich an einer Bushaltestelle einen Bus in Richtung Warnemünde. Mein Mann ging hin, fragte, ob der Bus im Linienverkehr fährt und ob eine Hebebühne vorhanden ist. „Die brauchen wir nicht“, bekam er vom Busfahrer zur Antwort.

Inzwischen erschien das Taxi, wir fuhren durch blühende Landschaften zum Bahnhof nach Rostock, von dort mit der Straßenbahn zum Neuen Markt und gelangten ins Foyer des Rathauses, wo Frau Irene Müller von der Selbsthilfe MV über die inklusive Bildung sprach. Es wurde auf  dem Forum angesprochen, dass die Bildung ein Thema ist, welches für das gesamte Leben gilt, bis ins hohe Alter, doch der Schwerpunkt lag an diesem Tag bei den Schulen. Vom Landeselternrat befand sich eine Vertreterin im skussionsforum. Ein Lehrer berichtete von den guten Ergebnissen der Inklusion in der Schule. Es stellte sich heraus, das schneller und intensiver gelernt wurde in den Klassen. Das betraf beide Richtungen, die Schüler, welche einen Förderbedarf haben und die Schüler mit einer schnellen  Auffassungsgabe. Das überzeugte auch die Eltern der Schüler. Seine Diskussion war sehr beeindruckend. Von 10.00 Uhr bis 12.30 Uhr dauerte die Veranstaltung. Im Foyer hatten verschiedene Vereine und Verbände ihre Stände aufgebaut, stellten sich vor und gaben Informationsmaterial aus.

Nach dem Forum bummelten wir in der Innenstadt herum, gingen in die St.-Marien-Kirche, um uns die elf Meter hohe astronomische Uhr anzusehen, welche einmalig in Europa ist. Ein Herr stand in der Kirche schon bereit, er bot uns eine spezielle Führung an. Anschließend  fuhren wir zum Bahnhof in Rostock, auch dort war die Mitarbeiterin der Deutschen Bahn informiert, sie geleitete uns zum Taxi der Firma Becker-Strelitz, schon kurz vor der eigentlichen Abfahrt um 17.07 Uhr fuhren wir Richtung Schwerin. Obwohl ich noch keine Vielfahrerin bei der Bahn bin, war ich angenehm überrascht, dass ich mit Rollstuhl, trotz Schienenersatzverkehr wieder gut in Schwerin angekommen bin.
Bericht: Erika Dittner, 06.05.2012


Bild:ABiMV/HR Frau Hanni Rossek, Vorsitzende des Regionalverbandes Müritz e.V. schließt sich den Wünschen an und überreicht Herrn Braun ein Präsent vom Regionalverband.
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Herzlichen Glückwunsch zum Bundesverdienstkreuz
Lieber Peter Braun, von ganzem Herzen gratulieren wir Dir zu der Dir vom Bundespräsidenten verliehen Auszeichnung.
Das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland würdigt in hervorragender Weise Dein Wirken als Mensch in unserer Gesellschaft.
Selbst gesundheitlich stark beeinträchtigt setzt Du Dich mit ganzer Kraft dafür ein, dass jeder gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilnehmen kann.
Ob als Vorsitzender des Stargarder Behindertenverbandes e.V. oder als Vorsitzender unseres Landesverbandes ebenso auf bundesweiter Ebene über den ABiD – auf allen Ebenen dient Dein Wirken diesem Ziel. Und die Erfolge Deiner Aktivitäten sind spürbar und sichtbar. Sie hier alle aufzuzählen würde den Platz sprengen.
Wir als Vorstand und sicherlich auch alle Mitglieder sind stolz auf Dich.
Wir danken Dir für sein selbstloses Engagement.
Wir wünschen Dir vor allem Gesundheit, viel Kraft für die weiteren Aufgaben und auch Spaß und Freude in der Arbeit und in der Familie.
Egon Luth
Neubrandenburg, 24.03.2012
stellv. Vorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbandes in Mecklenburg-Vorpommern e.V.  „Für Selbstbestimmung und Würde“  

Zum Artikel aus dem MST-Journal 31.03.2012
• Datei: CCF31032012_00000.jpg

Bild.ABiMV /PB. Mit einem kleinen Kulturprogramm wurde die Villa eröffnet
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Villa Kunterbündnis in Güstrow eröffnet!
Heute am Sonntag, den 18.03.2012 kamen Jung und Alt in die Enge Straße 1 nach Güstrow. Die Villa Kunterbündnis wurde eröffnet, aus den vielen Steinen die im Weg lagen wurde eine schöne Villa für Kinder, Eltern, Großeltern und auch für die Mitglieder des  Allgemeinen Behindertenverband Kreis Güstrow e.V. errichtet. Als Landesvorsitzender beglückwünsche ich den Behindertenverband für seine neue Heimstatt und wünsche viele interessante Begegnungen und Freunde.
P. Braun, am 18.03.2012

Bild:ABiMV/PB Mitarbeiter/innen der OLA und Vertreter/innen der Verbände im Seminargespräch und im Erfahrungsaustausch
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Mitarbeiter/innen-Schulung bei der OLA
In der Zielvereinbarung vom 3. Dez. 2007 hatten sich die Verbände verpflichtet zur Sensibilisierung der Mitarbeiter/innen an Schulungen des Unternehmens teilzunehmen.  Ziel der Schulung ist es das Zugpersonal auf die noch bestehenden Mobilitätsbehinderungen  für Menschen mit Behinderungen in den Zügen der Ostseelandverkehr GmbH und auf den Bahnhöfen und Haltestellen aufmerksam zu machen und  durch Schulung und Sensibilisierung das Zugpersonal zu befähigen, auf die Bedürfnisse von Fahrgästen mit unterschiedlichen Behinderungen und Unterstützungsbedarfen im Betriebsablauf situationsbedingt und angemessen reagieren zu können und deren Sicherheit zu gewährleisten.  

Im Einzelnen waren dies folgende Inhalte:
o Maßnahmenvermittlung zur Gewährleistung der Sicherheit für Fahrgäste mit Behinderungen beim Reisen mit den Zügen des Unternehmens.
o Übungen für die fachlich richtige Handhabung von Hilfs- und Betreuungs-leistungen „Betreutes Fahren“ in den Zügen  insbesondere beim Zu- und Ausstieg.
o Hinweis auf Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten (Zwei- Sinne-Prinzip) für Reisende mit Sinnesbehinderungen durch den Einsatz neuer Medien und barrierefrei zugängiger Fahrpläne und Aushänge.      
o Überblick über Vorgaben und gesetzliche Bestimmungen zur Schaffung von Barrierefreiheit im ÖPNV.

Vom 5. Dez. bis zum 23. Februar 2012 haben wir, der ABIMV, der BSV M-V und der DSB, insgesamt 7 Schulungen mit 54 Zugbegleiter/innen  erfolgreich durchgeführt. Die Übergabe eines Zertifikats soll pressewirksam in Schwerin erfolgen.  
Bericht /Foto: P. Braun 23.02.2012

AOK-Forum - Schweriner Gespräche
Zum 2. Schweriner Gespräch, am 24.01.2012 lud die AOK Nordost in das Hotel Crowne Plaza ein. Die Einladung wurde mit der Frage formuliert:
Wie kann die Gesetzliche Krankenversicherung zukunftsfest finanziert werden?

Das einleitende Referat hielt der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Jürgen Wasem von der Uni-versität Duisburg-Essen. Er ging davon aus, was die Finanzentwicklung der GKV in der Vergangenheit beeinflusst hat. Es besteht eine Schere zwischen den beitragspflichtigen Ein-nahmen und der Bruttoinlandsproduktion. Die Gründe dafür sind die Entwicklung des Arbeitsmarktes, Arbeitslosigkeit, Formen der Einkünfte. Politische Entwicklungen sind mit Verschiebebahnhöfen zu vergleichen. Ausgabenseitig gesehen sind von 1991 – 2010 besonders stark Arzneimittel, Krankenhauskosten, Bezahlung der Ärzte, Hilfsmittel und weitere Arten gestiegen.
Für die Zukunft sind grundsätzlich die gleichen Faktoren wie in der Vergangenheit zu erwarten. Besonders stark umstritten ist die Frage, wie stark der medizinisch-technische Fortschritt in der Zukunft in Hinsicht auf den Finanzbedarf wirkt. Mit statistischen Angaben belegte er die besonderen Faktoren in den neuen Bundesländern. Es gibt mehr ältere Menschen. Die Wirtschaftskraft in den neuen Bundesländern wird voraussichtlich auch in der Zukunft hinter der des Westens zurückbleiben – bei höherer Morbidität und gleichen Preisen für die Gesundheitsleistungen.
Prof. Dr. Wasem warf die Frage auf, ob es einen Königsweg gibt. Welche Reformgesetze
brauchen wir? Anforderungen und Beurteilungskriterien:
- Finanzielle Ergiebigkeit und Nachhaltigkeit
- Arbeitsmarktwirkungen
- Ansatzpunkte einer Finanzreform
- Pflichtversicherung
„Mit Blick auf die demografische Entwicklung sei auch eine stärkere Belastung der Rentner sinnvoll, meinte Prof. Dr. Wasem. Bisherige Reformen im Gesundheitswesen hätten zu wenig versucht, die Einnahmen der GKV zu stabilisieren, so der Wissenschaftler – auch, weil parteipolitische Debatten eine Verständigung unmöglich gemacht hätten.“ (Zitat aus der Schweriner Volkszeitung).

Eine Moderatorin führte anschließend ein Podiumsgespräch mit der Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD), dem Gesundheitsexperten MdB Jens Spahn (CDU) und mit Prof. Dr. Wasem. Einige Fragen wurden angeschnitten. Zum Beispiel, dass zurzeit Rücklagen in Milliardenhöhe vorhanden sind, trotzdem gehen die Beiträge nicht herunter. Zu beachten ist auch, dass immer über Einnahmen gesprochen wird, über Ausgaben eher nicht. 60 % der Ausgaben sind bedingt durch eigene Lebensweise. Ein weiterer Punkt sind Präventionsleistungen. Prof. Dr. Wasem meinte hingegen, dass nach heutigen Erkenntnissen Prävention nicht kostensparend ist.

Insgesamt gab es wiederum zu wenig Zeit für Fragen oder Diskussionen des Publikums
und vor allem kein für mich zufrieden stellender Ausblick auf die Zukunft. Auch von den Experten der Krankenkassen selber kamen keine eigenen Vorschläge. Ich vermisste
wenigstens im Ansatz weitere Zusammenlegung von Krankenkassen oder durch-greifende Präventionen usw..
Bericht: Erika Dittner, 14.02.2012

Neujahrsempfang - bitte ohne alltägliche Diskriminierung!
Einladung des Ministerpräsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern in die Landeshauptstadt Schwerin
Bericht: Erika Dittner

Herr Sellering lud für den 18. Januar 2012 zum Neujahrsempfang in das Staatstheater ein. Für den Allgemeinen Behindertenverband in Mecklenburg-Vorpommern e.V. durfte ich daran teilnehmen. Die Staatskanzlei bat vorher um eine Rückmeldung, dabei teilte ich gleich mit, dass ich mit einem Elektrorollstuhl kommen werde. Zwei Tage vor dem Empfang wurde ich angerufen und gebeten, mit dem Staatstheater zu sprechen. Das war sowieso geplant, denn mit dem Rollstuhl gelange ich nicht vom Haupteingang ins Theater, dort gibt es Stufen und auch nach bzw. bei der Sanierung wurde an der Situation nichts geändert. Seitlich am Theater gibt es eine Tür, die üblicherweise verschlossen ist, von dort geht es mit einem Hublift die Treppe hinauf. Beim Theater rief ich einen Tag vorher an, bat darum, dass die Tür geöffnet wird.
Am Mittwoch nun erschien ich sehr früh, sah schon einen Rollstuhlfahrer am Seiteneingang und dachte mir, das passt prima. Als die Tür allerdings geöffnet wurde und ich schon auf dem Lift stand, rückte und rührte er sich nichts. Was nun? Die Mitarbeiterin des Theaters hatte die Tastatur in der Hand, sah sich dann meinen Rollstuhl an und meinte, dass dieser zu schwer sei.
Toll, das hatte ich nicht erwartet. Mir blieb nichts anderes übrig, ich konnte wieder gehen, bat sie jedoch, mitzuteilen, dass ich sehr enttäuscht bin, nun den Ministerpräsidenten nicht im Saal des Theaters hören und sehen zu können. Mir war bekannt, dass es nach der Ansprache und den Auszeichnungen weiter geht im Konzertfoyer mit Speisen, Getränken und Gesprächen.
Eine Stunde später fuhr ich zu einem anderen Seiteneingang des Theaters, auch dort musste die Tür erst aufgeschlossen werden und der Fahrstuhl in Gang gesetzt werden. Er funktionierte.
Der Saal war noch ohne Gäste, Mitarbeiter der Catering-Firma eilten hin und her, erledigten die letzten Verrichtungen. In aller Ruhe drehte ich meine Kreise, sah mir den schönen Saal an, auch noch zwei Nebenräume, die ich noch nie sah. Bei den Rundfahrten entdeckte ich, dass es Rindergulasch und Nudeln gibt, Kürbissuppe und Kuchen. An einem weiteren Stand gab es Getränke. Im Saal standen viele Stehtische. Ich guckte mich im Saal um, dachte, dass ich überall im Wege stehen würde, hörte aus der Ferne Beifall klatschen, guckte aus dem Fenster, suchte mir schließlich
einen Stehplatz und entdeckte in einer Ecke zwei Tische mit je vier Stühlen. Nur führte dort eine Stufe hin. Die Leiterin der Catering-Firma war sehr nett und fragte mich, ob ich mich nicht dort hinsetzen möchte. Ich wies auf die Stufe hin und sie meinte, dass die Kellner mich hochtragen können. Vier Kellner kamen, schon war ich oben. Der Platz war gut, allerdings in der Ecke, machte aber letztendlich nichts. Von der Staatskanzlei kam ein Mitarbeiter zu mir und entschuldigte sich, dass ich nicht in den Großen Saal konnte. Später erschien der Chef des Protokolls, setze sich zu mir und sprach sein Bedauern aus. Ich sagte ihm, dass so etwas einfach nicht geht, erzählte ihm, dass ich im IFR und auch in der Arbeitsgruppe Barrierefreiheit, welche sich genau mit der gleichen Thematik beschäftigt und dass die UN- Behindertenrechtskonvention so etwas nicht zulässt.
Inzwischen kamen die Gäste in den Saal, plötzlich waren die Stühle an meinem Tisch auch besetzt, z. B. saß der Botschafter von Bhutan am Tisch und ich bedauerte innerlich sehr, kein Englisch zu können. Später trat wieder ein Mitarbeiter der Staatskanzlei zu mir und fragte, ob ich den Ministerpräsidenten auch gern selber sprechen möchte. Ja, gern.
Die Gäste am Tisch machten große Augen, aber es war eine wunderbare Gelegenheit, meine Enttäuschung auszudrücken, dann auf den Aktionsplan der Landesregierung M-V zur Durchsetzung der Behindertenrechtskonvention zu kommen und zu fragen, wann etwa die Struktur der Ministerien abgeschlossen sein wird.    
Erika Dittner,  Schwerin, 02.02.2012

Empfang mit Hindernissen!
Neujahrsempfang der Fraktion Die Linke. im Landtag und des Landesverbandes
Die Linke. Mecklenburg-Vorpommern am 5. Januar 2012

Als Vertreterin des Allgemeinen Behindertenverbandes in Mecklenburg-Vorpommern e.V. hielt ich die Einladung in der Hand und fuhr einfach los zum Veranstaltungsort in der Ritterstraße in Schwerin, ohne vorher nachzufragen, ob denn auch der Fahrstuhl funktioniert oder eventuell die Behindertentoilette defekt ist. Etwas Sorge bereitete mir
nur der Sturm, welcher durch Deutschland fegte, aber am Abend war in Schwerin nicht mehr viel davon zu spüren. In der Ritterstraße angekommen, wollte ich mit dem Fahrstuhl fahren, drückte den Knopf einmal, zweimal, dreimal, viermal, es rührte sich nichts. Einige Zeit später ein neuer Versuch – nichts. Sollte ich nun wütend sein und nach Hause fahren oder abwarten? Ich entschied mich, abzuwarten, was geschehen wird. Sehr zeitig war ich angekommen, 20 Minuten vor Beginn des Empfangs um 18.00 Uhr. Lächelnd und gelassen stand ich neben dem Fahrstuhl, hatte vor mir die Treppe nach oben genau im Blick (eine Situation, die so viele von uns sehr gut kennen).
12 Stufen führten hinauf, ein kleiner Absatz, weitere acht Stufen folgten.
Inzwischen trafen nach und nach die Gäste ein. Viele bekannte Leute. Manche eilten vorbei wie der Minister Her Brodkorb, einige fragten, ob sie helfen können. Die ersten Fragen-ich bat, den Betreiber zu fragen (falls sie ihn sehen), was mit dem Fahrstuhl ist. Es hätte ja sein können, dass er oben nur blockiert bzw. festgehalten wird. Der Betreiber kam die Treppe hinunter, erklärte, dass der Fahrstuhl defekt ist, er hätte jedoch schon den Monteur angerufen und dieser wollte etwa in einer halben Stunde kommen. Ich wartete weiter. Die nächsten Gäste strömten ins Gebäude, fragten, ob sie helfen können, mehrere boten an, mich hochzutragen, nicht ahnend, wie schwer ein E-Rollstuhl ist und ich noch dazu. Das lehnte ich lieber ab – aus Sorge um die Helfer und um mich selber. Wieder kam der Betreiber die Treppe herunter, es war ihm sichtlich unangenehm, aber so etwas kann natürlich jeden Tag passieren, dass die Technik nicht mitspielt, dafür konnte keiner etwas.
Die Zeit verging, noch immer kamen Gäste, Herr Kümmritz, der Theaterintendant bot an, mich hochzutragen, auch Frauen wollten helfen. Die Veranstalter und die Gäste konnten es eindeutig sehen, eine hohe Treppe und für mich bedeutete es Stillstand. 22 Minuten nach 18.00 Uhr hatte ein Monteur den Schaden behoben, ich konnte nach oben fahren, in den Saal, die Reden hatten längst begonnen, waren fast beendet. Die Gäste standen, ich sah Rücken, einige drehten sich um, kurze Augensprache: „Oh, oben angekommen?“ Lächelnd: „Ja, alles in Ordnung.“
Herr Bockhahn, Herr Holter und die Oberbürgermeisterin Frau Gramkow hielten kurze Reden, anschließend gab es Speisen vom Büfett und Getränke. Stehtische im Saal,
jedoch auch Tische und Stühle, so dass man nicht unbedingt mit Teller, Besteck und einem Glas jonglieren musste. An meinem Tisch kam ich mit einer Schulleiterin aus Bützow in ein anregendes Gespräch, erfuhr vom Schulalltag, erzählte selber von der Tätigkeit im ABiM-V e. V., sprach noch mit Abgeordneten und der Abend klang doch noch angenehm aus.
Erika Dittner, Schwerin, 02.02.2012

Bild:ABiMV Herr Peter Braun, Landesvorsitzender, (links unten im Bild) übergab an Herrn Christian Schad, Herrn Günther Bischof (von oben rechts) Herrn Gerd Rau, Frau Marion Scheffler, Herrn Eberhard Heise und an Frau Gisamarie Fürstner eine Ehrenurkunde
zum Vergrößern bitte hier klickenBild:ABiMV Herr Peter Braun, Landesvorsitzender, (links unten im Bild) übergab an Herrn Christian Schad, Herrn Günther Bischof (von oben rechts) Herrn Gerd Rau, Frau Marion Scheffler, Herrn Eberhard Heise und an Frau Gisamarie Fürstner eine Ehrenurkunde

Weltbehindertentag 2011 festlich begangen
Heute, am 3. Dez., am Weltbehindertentag kamen über 70 Mitglieder und Freunde des ABiMV aus dem Land in Malchow zusammen, um auf die Diskriminierung und Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen in Mecklenburg-Vorpommern aufmerksam zu machen. Anspruch und Wirklichkeiten klaffen weit auseinander. Das merken wir besonders, wenn es um die Antragstellung eines Persönlichen Budgets geht. Hier werden uns häufig mitmenschlicher Respekt und Achtung versagt. So werden wir in unserer Entwicklung und der Entfaltung eigener Möglichkeiten eingeschränkt und in unserer Würde verletzt.
Der Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention liegt immer noch nicht vor. Die Forderungen der Verbände vom 1. Tag der Menschen mit Behinderungen im Landtag vom 28.10.2011 werden nicht aufgegriffen. Ein/e Behindertenbeauftragte/r im Land wurde nicht berufen, ja selbst die Stelle des Bürgerbeauftragten ist seit dem 4. September 2011 vakant und nicht mehr besetzt.
Behindertenbeiräte und Behindertenbeauftragte in den neuen Kreisen wurden immer noch nicht berufen. Damit fehlen wichtige Gremien für unsere Interessenvertretung seit über 3 Monaten. Menschen mit Behinderungen werden bis heute häufig auch entgegen Recht und Gesetz, von Behörden eingeengt, benachteiligt und diskriminiert. Unter dem Motto: Inklusion – Dabei sein von Anfang an! haben wir unseren Ehrentag festlich begangen und uns bei unseren Mitstreiterinnen und Mitstreitern für die Unterstützung bedankt.
Sechs aktive Mitglieder und Mitstreiter/innen wurden mit einer Ehrenurkunde auf der Festveranstaltung geehrt.
P. Braun, 03.12.2011  
• Link: Zur Bildergalerie hier:

• Datei: Grussworte_2011.pdf

Kreise berücksichtigen unsere Belange noch nicht!  
Anläßlich des Welttages der Menschen mit Behinderungen (3. Dezember) erklärt für den Allgemeinen Behindertenverband in Mecklenburg-Vorpommern e.V. "Für Selbstbestimmung und Würde“  (ABiMV) dessen Vorsitzender, Peter Braun:

Die Befürchtungen, dass die Belange von Menschen mit Behinderungen bei der Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern unterm Tisch fallen, scheinen sich zu bestätigen.
In den Landkreisen werden die strukturellen Veränderungen erst geplant und vorbereitet. Behindertenbeauftragte und Behindertenbeiräte sind/werden noch nicht berufen. Es wird von einer langen Sondierungs- und Planungsphase im Jahr 2012 ausgegangen.  
Arbeitsfähig sind die neuen Kreise bis jetzt noch nicht.

Wir fordern im Rahmen der Landkreisneuordnung Strukturen die den Bedürfnissen der Menschen mit Behinderungen und dem demografischen Wandel gerecht werden und geeignet sind den Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe zu befördern sowie eine
Kommunalpolitik, die sich an der der UN-Behindertenrechtskonvention ausrichtet.
In den Kreisen sind zügig hauptamtliche Behindertenbeauftragte und ehrenamtliche Behindertenbeiräte zu berufen und zu bilden.  

Wir sehen in der UN- Behindertenrechtskonvention ein großes Innovationspotential für die gesamte Gesellschaft, wenn Respekt und Anerkennung menschlicher Vielfalt das Zusammenleben bestimmen und kulturelle Vielfalt und Menschlichkeit die zwischenmenschlichen Beziehungen prägen.

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